Leserbrief zu den geplanten Windkraftanlagen auf der Stettener Höhe

Obwohl die Hegaulandschaft auch an anderen Stellen unvergleichlich schön ist, dachte ich, mein Herz bleibt stehen, als ich zum ersten Mal von der Stettener Höhe auf den Hegau gesehen habe. So überwältigend schön ist dort die Hegaulandschaft zu sehen, die Linien, die die Anhöhen voneinander aufnehmen, die harmonische Staffelung der Farbtöne, das Wechselspiel mit dem Himmel. Als wir vom geplanten Windparkbau gehört haben, waren wir so traurig und so tief schockiert, dass wir am selben Tag noch am Alten Postweg gelaufen sind – solange noch alles gut ist. Jetzt muss man nicht denken, die Hegaulandschaft sei aus Zufall so schön, etwa weil sie vergessen worden wäre oder ein rückständiger Streifen im Bodenseehinterland. Nein, früher haben sich einige Leute etwas gedacht und sie aktiv bewahrt. Die aktuellen Windkraftpläne erinnern an den Anfang des letzten Jahrhunderts, als die Zeit im Zeichen des Straßen- und Eisenbahnbaus stand und man alles dem Hunger nach Ressourcen für den Straßenbau opfern wollte. Der Hohenstoffeln wäre dem Basaltabbau zum Opfer gefallen, wäre es dem Dichter Ludwig Finckh nicht gelungen, den Abbau an „allerhöchster Stelle“ zu stoppen. Straßen wurden trotzdem gebaut. Die Stettener bestimmen sicher nicht, „ob wir Energie haben oder nicht“, sie bestimmen über ein Allgemeingut. Es geht nicht gegen Windkraft allgemein, aber gegen Windkraftanlagen an dieser besonderen Stelle. Stehen die Windräder erst einmal, wird der atemberaubende Blick auf die freie Hegaulandschaft nicht mehr so zu erleben sein wie jetzt. Nicht nur wir werden dieses Erlebnis nicht mehr haben, sondern künftige Generationen werden nie wissen wie es war. Vielleicht überlegen sich die Entscheidungsträger in Engen und Singen, ob sie ihre Namen auf immer mit dieser Verschandelung verbunden haben möchten. Man wird voll Trauer den Kopf schütteln, sobald der Windkraft-Hype abflaut.

Dr. Ute Seidel, Singen